Ferien in der Schweiz: So verändert sich unser Reiseverhalten
von belmedia Redaktion -schweizweit Abenteuer Afrika Airlines Aktiv Aktiv & Abenteuer Allgemein Alpin Amerika Auto Berge Draussen Europa Events events24.ch Familie familie.ch Familienleben Familienreisen Flug flughafen.ch Flugzeug Freizeit Frühling Gourmetreisen Herbst hotelaktuell.ch Hotellerie Hotels Jahreszeiten Magazine Mobilität nachrichtenticker.ch Natur Orte Regionen Reisen Reisen & Ausflüge reiseziele.ch Routen Schiff Schweiz Schweiz Sommer Städte Städtereisen Strand Strand & Meer Themen tourismus.ch Transport Trips Übersee Verbreitung Verkehr Winter
Ferien bedeuten für Schweizerinnen und Schweizer längst nicht mehr automatisch zwei Wochen Mittelmeer im Hochsommer. Wir reisen weiterhin viel, geben dafür viel Geld aus und verbringen die Mehrheit unserer Übernachtungsreisen noch immer im Ausland.
Gleichzeitig werden Kurzreisen wichtiger, die Schweiz selbst bleibt als Ferienland stärker als vor der Pandemie, Buchungen erfolgen teilweise kurzfristiger und Hitze, Preise sowie geopolitische Unsicherheit beeinflussen die Wahl des Reiseziels. Das Ferienverhalten verändert sich – nicht durch einen einzigen grossen Bruch, sondern durch viele kleine Verschiebungen.
Die Schweiz ist ein Reiseland. Und zwar nicht nur, weil jedes Jahr Millionen Gäste aus dem Ausland kommen. Auch die Schweizer Wohnbevölkerung reist ausgesprochen viel.
Die jüngsten umfassenden Daten des Bundesamts für Statistik zeigen, wie stark diese Mobilität inzwischen wieder ist. 2024 unternahm die Bevölkerung rund 15,4 Millionen Reisen mit Übernachtungen ins Ausland. Insgesamt führte die klare Mehrheit der Übernachtungsreisen über die Landesgrenze.
Gleichzeitig ist das Reiseverhalten heute differenzierter als noch vor einigen Jahrzehnten. Die klassische Vorstellung von den einen grossen Sommerferien reicht längst nicht mehr aus. Wochenende in einer europäischen Stadt, verlängertes Wochenende in den Bergen, Familienferien am Meer, Besuch bei Verwandten, Wellnessaufenthalt, Camping, Ferienwohnung oder ein paar Tage zu Hause: Für viele Menschen besteht das Ferienjahr aus mehreren unterschiedlichen Reiseformen.
65 Prozent der Übernachtungsreisen führen ins Ausland
Der wichtigste Befund ist zunächst erstaunlich stabil.
2024 führten nach Angaben des Bundesamts für Statistik rund 65 Prozent aller Reisen mit Übernachtungen ins Ausland. Damit hat sich das Verhältnis nach den aussergewöhnlichen Pandemiejahren wieder weitgehend normalisiert.
Deutschland und Italien waren mit jeweils 12 Prozent aller Übernachtungsreisen die häufigsten ausländischen Ziele. Frankreich folgte mit 9 Prozent. Mehr als ein Viertel aller Reisen führte in andere europäische Länder.
Fernreisen spielen zwar eine sichtbare Rolle, sind gemessen an der Gesamtzahl aber wesentlich weniger dominant, als Fotos aus Thailand, New York oder auf den Malediven in sozialen Netzwerken vermuten lassen. Nur rund 7 Prozent aller Reisen mit Übernachtung hatten 2024 ein Ziel ausserhalb Europas.
Das zeigt einen grundlegenden Charakter des Schweizer Reisemarkts: International ja – aber stark europäisch geprägt.
Die geografische Lage erklärt viel davon. Italien, Frankreich, Deutschland und Österreich sind rasch erreichbar. Wer im Raum Zürich lebt, kann einen grossen Teil Europas mit Zug, Auto oder einem kurzen Flug erreichen. Für viele Ferienformen muss deshalb kein anderer Kontinent besucht werden.
Die Pandemie hat die Schweiz als Ferienland dauerhaft gestärkt
Der stärkste Bruch der vergangenen Jahre kam 2020.
Grenzbeschränkungen und Unsicherheit führten dazu, dass Reisen ins Ausland zeitweise massiv zurückgingen. Gleichzeitig entdeckte ein grosser Teil der Bevölkerung Ferien im eigenen Land neu.
Die Hotelleriezahlen zeigen, dass davon etwas geblieben ist.
2019 erzeugten Schweizer Gäste rund 17,9 Millionen Logiernächte in Schweizer Hotels. 2021 waren es bereits 21,0 Millionen, 2022 sogar 21,1 Millionen. Auch nach dem Ende der Pandemie fiel die Nachfrage nicht auf das alte Niveau zurück: 2024 wurden rund 20,9 Millionen Logiernächte von Schweizer Gästen gezählt.
2025 stieg die Zahl nochmals auf rund 21,15 Millionen. Insgesamt verzeichnete die Schweizer Hotellerie im vergangenen Jahr mit 43,93 Millionen Logiernächten einen neuen Rekord.
Das bedeutet nicht, dass die Schweizer plötzlich lieber in Graubünden als in Italien Ferien machen. Es zeigt aber, dass das Inland als Ferienoption stärker im Bewusstsein geblieben ist als vor 2020.
Ein Wochenende im Tessin, drei Tage im Berner Oberland oder ein Wellnessaufenthalt in den Bergen wird heute leichter als echte Ferienreise wahrgenommen und nicht bloss als Ersatzprogramm.
Dazu passt auch die Entwicklung hin zu kürzeren Auszeiten.
Die Kurzreise ist längst ein zentraler Teil der Ferienkultur
2024 waren Reisen mit einer bis drei Übernachtungen die grösste Kategorie. Sie machten 42 Prozent aller Übernachtungsreisen aus.
Weitere 32 Prozent dauerten vier bis sieben Nächte. Nur 18 Prozent umfassten acht bis vierzehn Übernachtungen, längere Reisen mit mehr als zwei Wochen lediglich 9 Prozent.
Interessant ist dabei, wie stabil diese Verteilung über Jahre geblieben ist. Bereits 2016 lagen Kurzreisen mit bis zu drei Nächten bei 43 Prozent. Die Entwicklung ist deshalb keine plötzlich entstandene Mode, sondern mittlerweile ein festes Muster.
Der klassische dreiwöchige Sommerurlaub ist damit keineswegs verschwunden. Er repräsentiert aber längst nicht mehr das durchschnittliche Reiseverhalten.
Viele Haushalte verteilen ihre Ferientage heute stärker über das Jahr.
Einige Tage Ski- oder Winterferien, ein verlängertes Wochenende im Frühling, eine Woche Sommerferien und im Herbst nochmals eine Städtereise ergeben zusammen ein ganz anderes Ferienprofil als die einmalige grosse Jahresreise.
Diese Entwicklung wird durch günstige Kurzstreckenverbindungen, Onlinebuchungen und einen dicht erschlossenen europäischen Reisemarkt unterstützt.
Fliegen bleibt wichtig – hat aber das Vorkrisenniveau noch nicht vollständig erreicht
Auch beim Verkehrsmittel zeigt sich eine interessante Verschiebung.
2024 wurde bei 52 Prozent der Reisen mit Übernachtung die grösste Distanz mit einem motorisierten Individualverkehrsmittel zurückgelegt – vor allem mit dem Auto.
19 Prozent entfielen auf den öffentlichen Landverkehr und 26 Prozent auf das Flugzeug.
Zum Vergleich: 2019 lag der Fluganteil noch bei 30 Prozent. Während der Pandemie fiel er 2020 auf 13 Prozent. Die Luftfahrt hat sich also stark erholt, aber ihr Anteil liegt weiterhin leicht unter dem Niveau unmittelbar vor Corona.
Das sollte allerdings nicht mit einem Niedergang des Flugreisens verwechselt werden.
Der Flughafen Zürich erwartet während der Sommerferien an Spitzentagen regelmässig mehr als 110’000 Passagiere. Im Sommerflugplan 2026 werden 211 Destinationen von 68 Airlines angeboten. Zu den besonders gefragten Zielen zählen London, Palma de Mallorca, Istanbul, Barcelona und Lissabon.
Gleichzeitig werden nordeuropäische Städte wie Oslo, Stockholm oder Bergen sichtbarer. Wie stark der Ferienverkehr inzwischen geworden ist und worauf Reisende während der Hauptsaison achten müssen, zeigt auch der Überblick zu Ferienverkehr, Reisezielen und Abläufen am Flughafen Zürich während der Sommermonate.
Der Sommer am Mittelmeer bleibt stark – aber die Hitze verändert die Diskussion
Über Jahrzehnte war die klassische Gleichung einfach: Sommerferien bedeuteten möglichst viel Sonne und Wärme.
Diese Logik beginnt sich zu verändern.
Extrem heisse Perioden in Südeuropa machen Temperaturen inzwischen selbst zu einem Entscheidungskriterium. Wer mit kleinen Kindern reist, wandern möchte oder Städtereisen plant, empfindet 38 oder 40 Grad nicht automatisch als Vorteil.
Damit gewinnt ein Begriff an Bedeutung, der vor wenigen Jahren im normalen Reisealltag kaum vorkam: Coolcation.
Gemeint sind Ferien in Regionen mit gemässigteren Sommertemperaturen – etwa Skandinavien, Grossbritannien, alpine Gebiete oder kühlere Küstenregionen.
Schweiz Tourismus hat diese Entwicklung ausdrücklich aufgegriffen. Bereits für den Sommer 2025 bezeichnete die Organisation Coolcation als sichtbaren Trend. Auch 2026 wird das Thema durch Hitzeperioden und die Suche nach angenehm temperierten Reisezielen verstärkt.
Ein detaillierter Blick auf kühlere Sommerdestinationen und die wachsende Nachfrage nach sogenannten Coolcations zeigt, dass Ferien nicht mehr zwingend mit möglichst hohen Temperaturen verbunden werden.
Das Mittelmeer verliert dadurch nicht seine Bedeutung. Spanien, Italien, Griechenland und andere klassische Destinationen bleiben enorm gefragt.
Aber die Reisezeit verschiebt sich teilweise.
Wer grosse Hitze vermeiden möchte, reist vielleicht im Mai, Juni, September oder Oktober ans Meer und verbringt die heissesten Wochen des Jahres in den Alpen oder weiter nördlich.
Ferien werden stärker über das ganze Jahr verteilt
Diese Entwicklung ist für den Tourismus besonders interessant.
Wenn klassische Sommerziele ausserhalb der Hochsaison angenehmer werden und Bergregionen stärker vom Sommer profitieren, verliert die starre Trennung zwischen Sommer- und Wintersaison etwas an Bedeutung.
Auch Städte funktionieren längst ganzjährig.
Schweiz Tourismus weist für 2025 darauf hin, dass Zürich und Genf vergleichsweise ausgeglichene Nachfragekurven über das Jahr besitzen, während klassische Bergregionen wie Tessin, Graubünden oder Wallis weiterhin grössere saisonale Ausschläge zeigen.
Für Reisende bedeutet das mehr Möglichkeiten. Für Destinationen bedeutet es gleichzeitig die Chance, Nachfrage besser über zwölf Monate zu verteilen.
Reisen ist zugleich deutlich teurer geworden
Ein weiterer Wandel betrifft das Budget.
Die Schweizer Wohnbevölkerung gab 2024 insgesamt 18,9 Milliarden Franken für Auslandreisen aus. Das waren 7,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Allein für Auslandreisen mit Übernachtungen beliefen sich die Ausgaben auf rund 13,2 Milliarden Franken.
Ein Teil dieses Wachstums bedeutet mehr Reisetätigkeit. Ein anderer Teil zeigt schlicht, dass Ferien teurer geworden sind.
Flugtickets, Hotels, Restaurants, Mietwagen und Freizeitangebote haben in vielen Destinationen deutlich höhere Preise als noch vor einigen Jahren. Dazu kommen Wechselkurse, lokale Abgaben und höhere Lebenshaltungskosten.
Reisende reagieren darauf unterschiedlich.
Manche verkürzen ihren Aufenthalt. Andere wählen eine günstigere Unterkunft oder reisen ausserhalb der Hauptsaison. Wieder andere sparen bei der Destination nicht, reduzieren dafür Ausgaben vor Ort.
Der Preis wird damit stärker zu einem Bestandteil der Planung – selbst in einem kaufkräftigen Land wie der Schweiz.
Hotel bleibt wichtig – aber nicht allein
Auch bei der Unterkunft ist das Schweizer Ferienverhalten vielfältiger geworden.
2024 entfielen 42 Prozent der Reisen auf Hotels und Kurbetriebe. Weitere 27 Prozent nutzten die Parahotellerie – beispielsweise Ferienwohnungen, Campingplätze oder vergleichbare Angebote.
22 Prozent der Reisen führten zu Verwandten oder Bekannten, 8 Prozent in eine eigene oder kostenlose Ferienunterkunft.
Damit wird deutlich: Das Hotel bleibt die wichtigste einzelne Unterkunftsform, doch ein grosser Teil der Ferien findet ausserhalb klassischer Hotels statt.
Gerade Ferienwohnungen ermöglichen längere Aufenthalte, Reisen mit Kindern oder Freunden und eine stärkere Selbstversorgung. Camping wiederum profitiert von einem gewachsenen Interesse an Natur, Individualität und flexibleren Reiseformen.
Diese Vielfalt verändert auch die Erwartungen an die Hotellerie. Ein Hotel verkauft heute nicht mehr nur ein Bett. Lage, Erlebnis, Wellness, Gastronomie und Individualität werden stärker zu Gründen für die Wahl einer Unterkunft.
Gebucht wird digital – und teilweise später
Die Digitalisierung hat die Ferienplanung grundlegend verändert.
Früher war die Reise häufig ein klar strukturiertes Produkt: Katalog, Reisebüro, Buchung, Abreise.
Heute können Reisende innerhalb weniger Minuten Flüge, Hotels, Ferienwohnungen, Mietwagen und Aktivitäten vergleichen.
Online-Plattformen spielen dabei eine immer grössere Rolle. Eine Untersuchung von HotellerieSuisse zeigt, dass der Anteil der Buchungen über Online Travel Agencies bei Schweizer Beherbergungsbetrieben von 27 auf 36 Prozent gestiegen ist. Direktbuchungen bleiben mit 60 Prozent trotzdem der wichtigste Vertriebskanal.
Gleichzeitig beobachten Schweizer Tourismusanbieter 2026 eine grössere Kurzfristigkeit.
Geopolitische Ereignisse, Flugverbindungen, Preise und Sicherheitsfragen führen dazu, dass Gäste teilweise länger abwarten, bevor sie definitiv buchen. HotellerieSuisse bezeichnet dieses Verhalten ausdrücklich als Herausforderung für die Planbarkeit der Sommersaison.
Geopolitik entscheidet plötzlich mit
Ferienplanung war noch nie völlig unabhängig vom Weltgeschehen. Doch die letzten Jahre haben diese Abhängigkeit besonders deutlich gemacht.
Pandemie, Krieg, Konflikte im Nahen Osten, Luftraumsperrungen und Energiepreise können innerhalb weniger Tage ganze Reiserouten verändern.
Schweiz Tourismus beobachtete im Frühjahr 2026 eine verbreitete «Wait and See»-Haltung. Reisende sagten ihre Ferien nicht zwingend vollständig ab, sondern verlagerten ihre Pläne.
Statt einer Reise in eine unsichere Region wird beispielsweise ein Ziel im westlichen Mittelmeer, in Europa oder im Inland gewählt.
Dieses Muster ist wichtig: Die Lust am Reisen verschwindet nicht automatisch. Die Destination ändert sich.
Für die Schweiz kann daraus sogar ein Vorteil entstehen. Nähe, politische Stabilität, gute Infrastruktur und hohe wahrgenommene Sicherheit machen das Land in unsicheren Zeiten attraktiv.
Ferien müssen nicht mehr möglichst weit weg sein
Damit verändert sich auch die Vorstellung davon, was eine «richtige» Ferienreise überhaupt ist.
Ein Flug von zwölf Stunden wurde lange beinahe automatisch mit einem grösseren Erlebnis verbunden als eine Bahnfahrt von zwei Stunden.
Heute spielt Entfernung zwar weiterhin eine Rolle, aber nicht mehr dieselbe.
Ein hochwertiges Wochenende in einer alpinen Region, ein mehrtägiger Städteaufenthalt oder Ferien in der eigenen Umgebung können denselben Stellenwert erhalten wie eine klassische Pauschalreise.
Gerade Familien erleben zudem einen Gegentrend zum perfekt durchorganisierten Urlaub. Nicht jeder Ferientag muss mit Attraktionen gefüllt sein. Auch Ferien mit weniger Programm und mehr freier Zeit passen zu einer Entwicklung, bei der Erholung wieder stärker als eigentlicher Zweck der Reise verstanden wird.
Das Auto bleibt erstaunlich stark
Bei all den Diskussionen über Flugreisen und Bahnverkehr bleibt eine Zahl bemerkenswert: 52 Prozent der Übernachtungsreisen wurden 2024 hauptsächlich mit dem motorisierten Individualverkehr zurückgelegt.
Das Auto besitzt mehrere Vorteile, die im Ferienalltag schwer zu ersetzen sind.
Familien können Gepäck einfacher transportieren, abgelegene Regionen erreichen und spontan Zwischenstopps einlegen. Bei Reisen nach Norditalien, Süddeutschland, Frankreich oder Österreich kann der Zeitunterschied gegenüber anderen Verkehrsmitteln je nach Ausgangsort gering sein.
Die Bahn hat insbesondere auf gut erschlossenen Verbindungen ihre Stärke. Ihr Anteil lag 2024 bei 19 Prozent.
Die Wahl des Verkehrsmittels ist damit weniger ideologisch, als es öffentliche Debatten manchmal erscheinen lassen. Für viele Reisende entscheidet die konkrete Strecke.
Nachhaltigkeit beeinflusst das Denken stärker als das tatsächliche Reisen
Nachhaltigkeit ist heute ein fester Bestandteil der Tourismusdiskussion.
Trotzdem zeigen die Zahlen, dass die Schweizer Bevölkerung ihre Reisetätigkeit nicht grundsätzlich reduziert.
Die meisten Menschen lösen den Konflikt zwischen Reisebedürfnis und Umweltbewusstsein nicht dadurch, dass sie gar nicht mehr verreisen.
Stattdessen gewinnen andere Überlegungen an Bedeutung: Bahn statt Flug auf bestimmten Strecken, längere Aufenthalte statt vieler Fernreisen, nähere Destinationen oder Unterkünfte mit nachvollziehbaren Nachhaltigkeitskonzepten.
Dieser Wandel ist langsam und widersprüchlich. Genau deshalb sollte man ihn weder übertreiben noch ignorieren.
Die Schweiz reist weiterhin gern – aber bewusster und flexibler
Was hat sich also tatsächlich verändert?
Nicht die grundsätzliche Reiselust.
Die Schweizer Bevölkerung reist weiterhin sehr häufig und gibt dafür erhebliche Summen aus. Das Ausland bleibt klar wichtiger als das Inland, Europa bleibt der dominante Reiseraum und das Auto ist noch immer das wichtigste Verkehrsmittel.
Verändert hat sich vielmehr die Struktur.
Ferien werden häufiger auf mehrere Reisen verteilt. Kurzaufenthalte sind selbstverständlich geworden. Inlandferien haben seit der Pandemie einen höheren Stellenwert behalten. Extreme Hitze verändert die Attraktivität bestimmter Destinationen. Kosten und geopolitische Unsicherheit führen zu mehr Flexibilität und teilweise kurzfristigeren Entscheidungen.
Auch das Verständnis von Erholung verändert sich.
Eine Reise muss nicht möglichst weit gehen, nicht möglichst lange dauern und nicht jeden Tag ein neues Erlebnis produzieren.
Diese Entwicklung dürfte sich fortsetzen.
Wie könnten Ferien in zehn Jahren aussehen?
Eine exakte Prognose wäre unseriös. Mehrere Trends besitzen jedoch eine solide Grundlage.
Reisen innerhalb Europas dürften wegen der kurzen Distanzen und guten Verbindungen für Schweizerinnen und Schweizer wichtig bleiben. Bahnangebote können insbesondere bei Städtereisen weiter Marktanteile gewinnen.
Gleichzeitig wird die Luftfahrt für Fernreisen und viele Mittelmeerdestinationen zentral bleiben.
Der Klimawandel dürfte die Reisezeiten stärker verschieben. Sehr heisse Regionen könnten im Hochsommer teilweise Nachfrage verlieren und dafür im Frühling und Herbst attraktiver werden. Alpine und nördliche Destinationen profitieren von der Suche nach gemässigteren Temperaturen.
Ferien in der Schweiz könnten davon ebenfalls profitieren.
Dazu kommen flexible Arbeitsmodelle. Wer teilweise ortsunabhängig arbeitet, kann Aufenthalte verlängern oder Ferien und Arbeit zeitlich anders kombinieren. Die klare Grenze zwischen einer zweiwöchigen Ferienreise und dem normalen Alltag könnte dadurch bei einem Teil der Bevölkerung weiter verschwimmen.
Die grosse Veränderung ist die Freiheit der Kombination
Vielleicht liegt genau darin der wichtigste Unterschied zu früher.
Es gibt nicht mehr das eine typische Schweizer Ferienmodell.
Eine Familie fährt mit dem Auto für zwei Wochen nach Italien. Ein Paar reist dreimal pro Jahr für vier Tage in europäische Städte. Eine andere Familie verbringt den Sommer in Graubünden und fliegt im Winter nach Asien. Ein Rentnerpaar reist ausserhalb der Schulferien. Junge Erwachsene kombinieren Hostel, Bahn und günstige Flüge. Andere verbringen bewusst Ferien zu Hause.
All diese Modelle existieren gleichzeitig.
Die Schweizer reisen also nicht weniger – sie reisen vielfältiger. Ausland und Inland, kurze und lange Ferien, Auto, Bahn und Flugzeug stehen heute nebeneinander. Preise, Klima und Weltlage beeinflussen die Entscheidung stärker als früher. Die wichtigste Veränderung ist deshalb nicht ein neues Lieblingsreiseziel, sondern die zunehmende Bereitschaft, Ferien immer wieder neu an die eigene Lebenssituation anzupassen.
Quelle: belmedia-Redaktion
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