Das Auto weiss zu viel – wie Fahrzeugdaten missbraucht werden

Moderne Autos sind längst rollende Computer. Sie können Standort, Geschwindigkeit, Bremsmanöver, Kilometerstand, Fahrten, Batteriestatus und je nach System sogar Informationen aus Smartphone-Verbindungen erfassen.

Viele dieser Daten sind für Navigation, Sicherheit und Wartung sinnvoll. Werden sie jedoch ohne ausreichende Transparenz weitergegeben, für andere Zwecke ausgewertet oder unzureichend geschützt, entsteht ein erhebliches Missbrauchspotenzial.

Wie umfangreich die Datensammlung inzwischen sein kann, zeigte 2026 auch eine Recherche von RTS und SRF. Bei modernen Fahrzeugen können Informationen darüber entstehen, wann gefahren wird, wo sich das Fahrzeug befindet, wie stark beschleunigt oder gebremst wird und welche Funktionen genutzt werden.

Auch Hersteller selbst weisen in ihren Datenschutzerklärungen auf zahlreiche Datenkategorien hin. Dazu können Kilometerstand, Reichweite, Fahrten, Fahrzeugidentifikationsnummer, Standortinformationen oder Daten aus verbundenen Apps gehören.

Aus Fahrdaten entsteht ein genaues Profil

Ein einzelner Datenpunkt wirkt oft harmlos. Problematisch wird die Kombination. Regelmässige Standortdaten können beispielsweise erkennen lassen, wo jemand wohnt, arbeitet oder häufig seine Freizeit verbringt. Fahrzeiten können Tagesabläufe sichtbar machen. Geschwindigkeit sowie starkes Beschleunigen oder Bremsen können Rückschlüsse auf den Fahrstil ermöglichen.

Solche Informationen sind auch wirtschaftlich interessant. Versicherungen können sich für das Fahrverhalten interessieren, Werkstätten für technische Zustände und Flottenbetreiber für die Nutzung ihrer Fahrzeuge. Entscheidend ist dabei jedoch, ob eine rechtliche Grundlage besteht, die Datenbearbeitung transparent erfolgt und die Informationen tatsächlich für den angegebenen Zweck benötigt werden.

Schweizer Datenschutzrecht gilt auch im Auto

Sobald Fahrzeugdaten einer bestimmten oder bestimmbaren Person zugeordnet werden können, können sie unter das Schweizer Datenschutzgesetz fallen. Unternehmen müssen unter anderem die Grundsätze der Rechtmässigkeit, Verhältnismässigkeit, Zweckbindung und Datensicherheit beachten.

Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte weist zudem darauf hin, dass Unternehmen Personendaten durch geeignete technische und organisatorische Massnahmen vor unberechtigten Zugriffen schützen müssen.

Die Digitalisierung betrifft inzwischen auch die amtliche Fahrzeugwelt. Seit 2026 werden verschiedene Abläufe bei der Zulassung stärker digitalisiert. Einen Überblick über die neuen digitalisierten Verfahren im Schweizer Strassenverkehr gibt auch Polizei.news.

Missbrauch beginnt nicht erst beim Hackerangriff

Bei Fahrzeugdaten wird häufig zuerst an Cyberkriminelle gedacht. Tatsächlich besteht dieses Risiko: Werden Fahrzeugkonten, Apps oder Cloud-Systeme kompromittiert, können sensible Informationen in falsche Hände gelangen.

Datenschutzrechtlich problematisch kann aber auch eine eigentlich rechtmässig erhobene Information werden, wenn sie später für einen anderen Zweck verwendet wird, ohne dass dafür eine ausreichende Grundlage besteht. Ebenso kritisch sind unnötig lange Speicherfristen oder eine Weitergabe an Dritte, mit der Fahrzeughalter nicht rechnen mussten.

Autofahrer sollten deshalb die Datenschutzeinstellungen ihres Fahrzeugs und der dazugehörigen Apps prüfen, nicht benötigte Dienste deaktivieren und insbesondere beim Verkauf eines Autos persönliche Profile, gekoppelte Smartphones, Navigationsziele und Benutzerkonten vollständig entfernen.

Das Auto wird zum Datenträger

Die Entwicklung ist kaum aufzuhalten. Vernetzte Fahrzeuge können Verkehr sicherer machen, frühzeitig vor Defekten warnen und neue Dienste ermöglichen. Gleichzeitig entsteht damit ein digitaler Fussabdruck, der wesentlich mehr über einen Menschen verraten kann als der Kilometerstand.

Die entscheidende Frage der kommenden Jahre wird deshalb nicht sein, ob Autos Daten sammeln. Entscheidend wird sein, wer darauf zugreifen darf, wie lange sie gespeichert werden – und ob Fahrzeughalter tatsächlich wissen, was mit ihren Daten geschieht.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Titelbild – KI-Bild